Darmgesundheit

Konventionelle Getreideprodukte

20. Juli 2026 · Susanne C. Hammer

Die Breze im Visier: Warum ich sie liebe – und trotzdem nicht täglich esse

Ich bin aufgewachsen mit Brezn. Wie wahrscheinlich jedes Kind hier in Bayern. Frisch, warm, mit einem Klecks Butter – für mich gibt es einfach nichts Besseres. Und ganz ehrlich: Darauf verzichten will ich auch nicht. Bei meinen eigenen Kindern achte ich aber sehr bewusst darauf, dass die Breze nicht zur täglichen Selbstverständlichkeit wird, sondern das bleibt, was sie eigentlich ist: ein Genussmittel. Kein Grundnahrungsmittel für jeden Tag.

Warum mir das so wichtig ist, erkläre ich hier.

Warum Getreide so stark gespritzt wird

Weizen und andere Getreidesorten sind besonders anfällig für Pilzbefall und Krankheiten. Deshalb greifen viele konventionelle Landwirte zu Pestiziden – teils sogar häufiger als bei manchen Gemüsesorten. Ein gängiges Verfahren ist die sogenannte Sikkation: Kurz vor der Ernte wird das Feld mit Glyphosat besprüht, damit das Getreide gleichmäßiger abreift und sich leichter dreschen lässt. Das bedeutet: Rückstände landen direkt im Mehl – und damit auch in unserer Breze.

Glyphosat und die Darmflora

Glyphosat steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem im Zusammenhang mit Darmkrebs und einer geschwächten Darmflora. Wissenschaftlich ganz gesichert ist dieser Zusammenhang nicht, aber es gibt eine spannende Hypothese, warum Glyphosat unserem Darm zusetzen könnte: Es ähnelt strukturell der Aminosäure Glycin, die eine wichtige Rolle beim Aufbau unserer Darmschleimhaut spielt. Die Theorie besagt, dass Glyphosat anstelle von Glycin in körpereigene Prozesse eingebaut werden kann – und dadurch die Schutzbarriere des Darms schwächt. Das Ergebnis: ein durchlässigerer Darm („Leaky Gut“) und ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom.

Genau deshalb lohnt es sich, gerade bei Getreideprodukten auf Bio-Qualität zu achten. Bio-Landwirtschaft verzichtet auf synthetische Pestizide wie Glyphosat – ein einfacher, aber wirksamer Hebel für deine Darmgesundheit.

Die unterschätzten Antinährstoffe

Neben Pestizidrückständen bringt Getreide von Natur aus sogenannte Antinährstoffe mit. Die wichtigsten:

Das klingt erstmal beunruhigend, ist aber lösbar: Traditionelle Zubereitungsarten wie eine lange Sauerteigführung oder eine ausgedehnte Teigruhe bauen einen Großteil dieser Antinährstoffe ab. Genau das haben unsere Großeltern noch selbstverständlich gemacht – Brotteige durften stundenlang, manchmal über Nacht ruhen. Auch die klassische Breze wird traditionell aus einem Hefeteig mit ausreichender Gehzeit hergestellt.

In der modernen Backindustrie fällt dieser Schritt aus Zeit- und Kostengründen häufig weg. Schnelle Teige, kurze Gehzeiten, industrielle Backhilfsmittel – das Ergebnis landet oft kaum fermentiert und mit vollem Antinährstoffgehalt auf unserem Teller. Kein Wunder, dass in der Bevölkerung Unverträglichkeiten und Darmdysbiosen zunehmen.

Wer hat eigentlich ein Interesse daran, das genauer zu untersuchen?

Und hier wird es spannend, denn man muss sich fragen: Wer sollte so eine Studie eigentlich bezahlen – und wer würde sie zuverlässig und unabhängig kontrollieren? Glyphosat wird von wenigen großen Agrarkonzernen wie Bayer (das Monsanto übernommen hat) hergestellt und vermarktet. Genau diese Konzerne haben ein handfestes wirtschaftliches Interesse daran, dass ihr Milliardenprodukt als unbedenklich gilt – und genau sie sind es häufig, die die Forschung dazu finanzieren oder zumindest maßgeblich beeinflussen. Im sogenannten „Monsanto-Papers“-Verfahren in den USA kam ans Licht, dass der Konzern wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Glyphosat aktiv mitverfasst, Ghostwriting betrieben und unliebsame Forschung gezielt diskreditiert hat – das ist keine Vermutung, sondern durch interne Dokumente belegt, die im Rahmen von Gerichtsverfahren offengelegt wurden. Auch große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé haben naturgemäß kein Interesse daran, ihre Rohstoffe, Lieferketten oder Produktionsverfahren infrage stellen zu lassen – schließlich würde das ihr Geschäftsmodell direkt betreffen. Unabhängige, wirklich langfristige Studien, die nicht von der Industrie selbst finanziert oder in Auftrag gegeben werden, sind entsprechend rar. Das ist kein Zufall, sondern strukturell so gewollt – und ein wichtiger Grund, den offiziellen „Unbedenklichkeits“-Einschätzungen nicht blind zu vertrauen, sondern selbst kritisch hinzuschauen und im Zweifel lieber zu Bio zu greifen.

Nicht nur die Breze: Auch andere Getreideprodukte sind betroffen

Die Breze steht hier stellvertretend für ein größeres Thema, denn dieselben Herausforderungen gelten für viele andere Getreideprodukte – nicht nur für Bier, sondern auch für Nudeln, die gerade Kinder besonders gerne essen, sowie für Getreidesnacks wie Cracker, Riegel oder Frühstücksflocken.

Auch Gerste und Weizen als Braugetreide werden konventionell angebaut und stammen häufig aus denselben Anbaubedingungen wie unser Backgetreide. In verschiedenen Untersuchungen wurden Glyphosat-Rückstände auch in fertigem Bier nachgewiesen, selbst bei Marken, die dem deutschen Reinheitsgebot folgen – denn das Reinheitsgebot regelt die Zutaten, nicht den Pestizideinsatz beim Anbau. Bei Nudeln kommt hinzu, dass Hartweizen zur besseren Ernte teils ebenfalls kurz vor der Ernte gespritzt wird, und dass industriell hergestellte Nudeln in der Regel keine Teigruhe durchlaufen, die Antinährstoffe reduzieren würde. Fertige Getreidesnacks wiederum bestehen häufig aus stark verarbeitetem, unfermentiertem Auszugsmehl – gleich zwei Belastungsfaktoren auf einmal.

Das bedeutet nicht, dass du auf dein Feierabendbier, den Nudelteller für die Kinder oder deine Wiesn-Breze verzichten musst. Aber es zeigt: Getreideprodukte generell – ob fest oder flüssig – verdienen einen bewussteren Umgang, statt tägliche Selbstverständlichkeit.

Mein Fazit

Ich möchte dir keine Angst vor der Breze machen – ich esse sie viel zu gerne dafür. Aber ich behandle sie bei mir und meiner Familie als das, was sie ist: ein Genussmittel für besondere Momente, nicht für jeden Tag. Wenn du zu Getreideprodukten greifst, achte wo möglich auf:

So bleibt die Breze das, was sie für mich schon als Kind war: ein kleines, unbeschwertes Glück – ohne stiller Stressfaktor für den Darm zu werden.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungstherapeutische Beratung.

← Zurück zum Blog